Beim Autokauf richtig verhandeln: Nicht nur der Preis zählt
Viele Käufer verhandeln nur über den Preis. Händler haben dort oft wenig Spielraum, weil Gebrauchtwagen knapp kalkuliert sind. Bei Zusatzleistungen sieht es anders aus: Ein Satz Winterräder oder eine Inspektion kostet den Händler deutlich weniger, als sie Ihnen wert sind. Hier liegt oft das bessere Geschäft.
Vorbereitung: Ihre Verhandlungsbasis
- Vergleichsangebote kennen: Suchen Sie auf mobile.de oder AutoScout24 nach demselben Modell mit ähnlichem Baujahr, Kilometerstand und ähnlicher Ausstattung. Machen Sie Screenshots von zwei oder drei günstigeren Angeboten.
- Mängel notieren: Alles, was Sie bei der Besichtigung finden (abgefahrene Reifen, fällige Bremsen, Kratzer, bald fälliger TÜV), ist ein sachliches Argument.
- Ihre Grenze vorher festlegen: Bis zu welchem Gesamtbetrag kaufen Sie? Wer das vorher weiß, lässt sich nicht hochhandeln.
- Finanzierung getrennt klären: Holen Sie vorher ein Kreditangebot Ihrer Bank ein. Dann können Sie das Händlerangebot vergleichen und verhandeln über den Autopreis, nicht über die Monatsrate.
Zusatzleistungen, nach denen Sie fragen sollten
| Leistung | Warum es sich lohnt |
|---|---|
| Winterräder oder Kompletträder | Ein Satz kostet schnell mehrere hundert Euro. Händler haben oft gebrauchte Sätze im Lager oder bekommen sie günstig. Alternativ: Rabatt auf einen neuen Satz. |
| Inspektion oder Ölwechsel vor Übergabe | Sie starten mit frischem Service und frischem Stempel im Serviceheft. |
| Neue Hauptuntersuchung (TÜV) | Bei einem Auto mit bald fälligem TÜV: Übergabe mit neuer Plakette verlangen. Dann ist auch geprüft, dass keine größeren Mängel offen sind. |
| Bremsen oder Reifen erneuern | Wenn sie bei der Besichtigung abgenutzt waren: Erneuerung vor Übergabe statt Preisnachlass, oft günstiger für den Händler. |
| Garantie oder Garantieverlängerung | Ergänzt die gesetzliche Gewährleistung. Besonders sinnvoll bei Autos mit teurer Technik (Automatik, Hybrid, Elektro). |
| Überführung und Zulassung | Bei Neuwagen und auch bei Gebrauchten mit Zulassungsservice: Kosten von einigen hundert Euro inklusive verhandeln. |
| Zahnriemen- oder Getriebeölwechsel | Wenn bald fällig: vor dem Kauf erledigen lassen. Das sind Arbeiten, die schnell teuer werden. |
| Kleinigkeiten | Volle Tankfüllung, Fußmatten, Aufbereitung, zweiter Schlüssel, Dachträger, Ladekabel beim E-Auto. |
So formulieren Sie es
- „Mir gefällt das Auto. Beim Preis kommen wir knapp nicht zusammen. Wenn Sie mir die Winterräder dazugeben, unterschreiben wir heute.“
- „Die Reifen sind fast am Limit und der TÜV ist in drei Monaten fällig. Ich würde das Auto nehmen, wenn es mit neuen Reifen und frischer HU übergeben wird.“
- „Ein vergleichbares Fahrzeug wird hier für 800 Euro weniger angeboten. Was können Sie mir beim Preis oder bei den Leistungen entgegenkommen?“
Bleiben Sie freundlich und sachlich. Wer Mängel und Vergleichsangebote zeigt, wird ernster genommen als jemand, der einfach „Was geht noch am Preis?“ fragt.
Das richtige Timing
- Ende des Monats oder Quartals: Viele Verkäufer haben Ziele und sind dann eher zu Zugeständnissen bereit.
- Lange Standzeit: Steht ein Auto schon viele Wochen im Inserat, ist der Händler meist verhandlungsbereiter. Manche Portale zeigen, wie lange ein Inserat online ist oder ob der Preis gesenkt wurde.
- Saison: Cabrios verkaufen sich im Winter schlechter, Allradfahrzeuge im Sommer.
Inzahlungnahme getrennt verhandeln
Wenn Sie Ihr altes Auto in Zahlung geben wollen, verhandeln Sie zuerst den Preis des neuen Autos und erst danach die Inzahlungnahme. Sonst ist schwer zu erkennen, ob ein hoher Ankaufspreis nicht über einen höheren Verkaufspreis wieder hereingeholt wird. Lassen Sie den Wert Ihres alten Autos vorher bei zwei oder drei Ankäufern schätzen.
Alles schriftlich
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