Gebrauchtwagen besichtigen: Die Checkliste für Besichtigung und Probefahrt
Ein Gebrauchtwagen sieht im Inserat fast immer besser aus als in Wirklichkeit. Die gute Nachricht: Die meisten Probleme lassen sich bei einer gründlichen Besichtigung erkennen, auch ohne Werkstatt-Erfahrung. Nehmen Sie sich mindestens eine Stunde Zeit und gehen Sie die Punkte in Ruhe durch.
Vor dem Termin: gut vorbereitet hinfahren
- Am Telefon nachfragen: Ist das Auto unfallfrei? Wie viele Vorbesitzer? Gibt es Rechnungen zu Wartung und Reparaturen? Warum wird verkauft? Weichen die Antworten später vom Inserat ab, ist Vorsicht angesagt.
- Bei Tageslicht und trockenem Wetter besichtigen. Regen und Dunkelheit verstecken Kratzer, Dellen und Lackunterschiede.
- Den Motor kalt sehen wollen: Bitten Sie darum, dass das Auto vor Ihrem Besuch nicht bewegt wird. Viele Probleme hört man nur beim Kaltstart.
- Eine zweite Person mitnehmen. Vier Augen sehen mehr, und Sie lassen sich weniger leicht unter Druck setzen.
- Mitnehmen: Taschenlampe, Küchenrolle (für den Ölmessstab), Ihren Führerschein und diese Checkliste.
Papiere: passt alles zusammen?
- Zulassungsbescheinigung Teil I und II (Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief): Der Name im Brief sollte zum Verkäufer passen. Beim Händler steht oft der Vorbesitzer drin, das ist normal.
- Fahrgestellnummer vergleichen: Die Nummer in den Papieren muss mit der am Auto übereinstimmen (meist unten an der Windschutzscheibe und im Motorraum oder am Rahmen der Fahrertür).
- Serviceheft und Rechnungen: Stempel sind gut, Rechnungen sind besser. Achten Sie auf Lücken und ob große Arbeiten wie Zahnriemen oder Getriebeölwechsel erledigt sind.
- Bericht der letzten Hauptuntersuchung (TÜV): Dort stehen Kilometerstand und festgestellte Mängel. Vergleichen Sie die Kilometerstände mit dem Serviceheft.
- Offene Rückrufe: Fragen Sie beim Händler der Marke nach oder prüfen Sie die Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts.
Außen: Lack, Spaltmaße, Rost und Reifen
- Lack aus flachem Winkel ansehen: Unterschiedliche Farbtöne, Farbnebel an Gummidichtungen oder raue Stellen deuten auf Nachlackierungen nach einem Unfall hin.
- Spaltmaße: Die Abstände zwischen Türen, Motorhaube, Kotflügeln und Heckklappe sollten überall gleich breit sein.
- Rost: Radkästen, Schweller (unter den Türen), Türunterkanten, Heckklappe und Unterboden ansehen. Oberflächlicher Flugrost ist normal, Blasen und Löcher sind teuer.
- Reifen: gleichmäßig abgefahren? Einseitiger Verschleiß kann auf ein verstelltes Fahrwerk hindeuten. Das Alter steht als DOT-Nummer auf der Flanke (z. B. 2321 = 23. Woche 2021). Reifen über 6 bis 8 Jahre sollten ersetzt werden.
- Scheiben und Leuchten: Steinschläge in der Windschutzscheibe im Sichtfeld führen beim TÜV zu Problemen. Feuchtigkeit in Scheinwerfern ist ein Hinweis auf undichte Gehäuse.
Innenraum: passt der Zustand zum Kilometerstand?
- Abnutzung: Lenkrad, Schaltknauf, Pedale und Fahrersitz verraten viel. Stark abgegriffene Teile bei angeblich wenig Kilometern sind ein Warnsignal.
- Geruch und Feuchtigkeit: Muffiger Geruch, feuchte Teppiche oder Wasser in der Reserveradmulde deuten auf undichte Stellen hin.
- Alles einmal bedienen: Fenster, Spiegel, Licht, Blinker, Hupe, Klimaanlage (kühlt sie wirklich?), Sitzheizung, Navi, Kamera, Einparkhilfe und alle Assistenten.
Motorraum und Kaltstart
- Ölstand und Öl prüfen: zu wenig, zu viel oder milchig-hell (Hinweis auf Kühlmittel im Öl) sind Warnsignale.
- Kühlmittel: Stand zwischen Min und Max, keine bräunliche Farbe, keine Ölschlieren.
- Undichtigkeiten: Mit der Taschenlampe nach Ölspuren am Motor und am Boden unter dem Auto suchen.
- Kaltstart: Springt der Motor sofort an? Rasselt er in den ersten Sekunden (möglicher Hinweis auf eine gelängte Steuerkette)? Kommt blauer oder dicker weißer Rauch aus dem Auspuff?
- Warnleuchten: Beim Einschalten leuchten alle kurz auf und müssen nach dem Start ausgehen.
Die Probefahrt: mindestens 20 Minuten
- Stadt, Landstraße und wenn möglich ein Stück Autobahn fahren.
- Geradeauslauf: Zieht das Auto auf gerader Strecke zu einer Seite?
- Bremsen: einmal kräftig bremsen. Rubbelt das Pedal, zieht das Auto zur Seite oder quietscht es?
- Kupplung und Getriebe: Die Gänge sollten sich leicht einlegen lassen. Greift die Kupplung erst ganz oben, ist sie verschlissen. Automatikgetriebe sollen ruckfrei schalten, auch beim Anfahren und Rangieren.
- Geräusche: Klappern über Unebenheiten (Fahrwerk), Brummen, das mit der Geschwindigkeit lauter wird (Radlager), Heulen beim Beschleunigen (Getriebe oder Turbolader).
- Nach der Fahrt: noch einmal unter das Auto und in den Motorraum schauen. Tropft jetzt etwas?
Besonderheiten bei Elektroautos und Hybriden
- Batteriezustand: Fragen Sie nach einem Batteriezertifikat mit dem Gesundheitszustand (State of Health, kurz SoH). Werte ab etwa 85 bis 90 Prozent sind bei ein paar Jahre alten Autos gut.
- Laden testen: Ladekabel vorhanden? Funktioniert das Laden an einer Säule oder Wallbox?
- Garantie: Auf die Hochvoltbatterie gibt es oft eine eigene, längere Garantie. Prüfen Sie, ob sie noch gilt und welche Bedingungen daran hängen.
Warnsignale: hier besser nicht kaufen
- Der Verkäufer will eine Anzahlung oder Kaution per Überweisung, bevor Sie das Auto gesehen haben.
- Treffpunkt nur auf einem Parkplatz, keine Adresse, keine Papiere vor Ort.
- Der Preis liegt weit unter vergleichbaren Angeboten.
- Eine Prüfung in einer Werkstatt Ihrer Wahl wird abgelehnt.
- Druck: „Heute noch, morgen kommt ein anderer Interessent.“
Unser Tipp: Sind Sie unsicher, lassen Sie das Auto vor dem Kauf prüfen. Gebrauchtwagenchecks bieten Prüforganisationen, Automobilclubs und viele Werkstätten an. Die Kosten sind klein im Vergleich zu einer teuren Reparatur.
Checkliste zum Mitnehmen
- Papiere vollständig, Fahrgestellnummer stimmt überein
- Serviceheft und Rechnungen geprüft, Kilometerstände plausibel
- Lack, Spaltmaße und Rost angesehen
- Reifenalter (DOT) und Abnutzung geprüft
- Innenraum: Abnutzung passt zum Kilometerstand, keine Feuchtigkeit
- Alle Funktionen getestet
- Ölstand, Kühlmittel, keine Undichtigkeiten
- Kaltstart ohne Rasseln und Rauch, Warnleuchten aus
- Probefahrt mit Bremsen, Lenkung, Getriebe, Geräuschen
- Bei E-Auto: Batteriezertifikat und Ladetest
- Kaufvertrag schriftlich, mit bekannten Mängeln und Kilometerstand
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